Marco – Was passiert, wenn man einem Italiener erzählt, dass man ein Jahr lang nicht mehr mit ihm sprechen wird…

Marco war in den letzten Jahren einer meiner wichtigsten Bezugspunkte. Nun hat er mir im Pilgerverlag in Speyer, dessen Geschäftsführer er ist, eine Station für mein Projekt ermöglicht und viele Kontakte eingebracht. Sicherlich hat auch das dazu beigetragen, dass in den letzten Wochen ungewöhnlich viel Presse über mein Projekt berichtet hat. Doch Marcos Begeisterung für das, was ich da tue, war nicht von Anfang an gegeben.
Kennengelernt habe ich ihn Anfang 2021, als ich die Ausbildung zum Achtsamkeitslehrer begann. „Zufällig“ landeten wir in derselben Intervisionsgruppe. Schon nach kurzer Zeit verstanden wir uns bestens, telefonierten fast täglich, und aus Gesprächen über Achtsamkeit und Meditation entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft. In den folgenden Jahren haben wir gemeinsam Weiterbildungen besucht und Seminare veranstaltet, bei denen wir uns wunderbar ergänzten: Marco brachte seine Erfahrung und sein Netzwerk aus dem Verlag ein, ich meine Praxis des Gehens in der Natur, ergänzt durch unsere gemeinsamen Achtsamkeitsübungen. Wir wurden ein eingespieltes Team.
Umso härter traf es Marco, als ich ihm vor anderthalb Jahren erzählte, dass ich ein Jahr lang schweigend durch Deutschland wandern wollte. Da war es vorbei mit seiner Besonnenheit, das italienische Temperament gewann die Oberhand. Kurz gesagt: Er fand mein Projekt „einfach scheiße“ und konnte seine Gefühle kaum zurückhalten. Es war klar, dass es ihm weniger um die Idee selbst ging, sondern um die Vorstellung, mich für ein Jahr aus seinem Leben zu verlieren. Das zeigte mir zugleich, wie eng unsere Freundschaft inzwischen geworden war.
Ende letzten Jahres kam dann noch ein weiterer Knackpunkt hinzu. Marco bot mir an, Co-Autor eines kleinen Büchleins zu werden, das in Teilen auf unseren Seminaren basierte und viele Themen aufgriff, die mir am Herzen lagen und die ich nun auch in meinem Kunstprojekt in anderer Form wiederfinde. Mit dem Verlag im Rücken und der Vorarbeit, die er schon geleistet hatte, war das ein großzügiges, fast unschlagbares Angebot. Aber ich musste ablehnen. Mitten in der Vorbereitung auf mein Projekt spürte ich, dass mir dafür die Kapazitäten fehlten. Noch eine Baustelle konnte ich mir schlicht nicht leisten, weil zu diesem Zeitpunkt fast alles noch offenstand – außer meinem Beschluss, im Sommer loszuziehen. Auch das war für Marco enttäuschend, zumal der Grund wieder mein Schweigeprojekt war.
Nun, viele Monate später, ist es genau zu dem Zeitpunkt, als ich schweigend in Speyer eingetroffen bin, soweit: Die ersten druckfrischen Exemplare von Mein Weg – Meine Reise sind erschienen. Marco hat das Büchlein allein umgesetzt, nachdem er sich damit abgefunden hatte, dass ich nicht dabei sein würde. Wäre ich Co-Autor gewesen, wäre es vielleicht etwas anders geworden, aber nicht besser.
Entstanden ist ein kleines Achtsamkeits-Pilger-Journal, das dazu einlädt, den äußeren Weg als innere Reise zu erleben – sei es auf dem Jakobsweg, beim Spaziergang in der Natur oder im Alltag. Es verbindet kurze Texte über Achtsamkeit, Dankbarkeit, Naturverbundenheit, Freundlichkeit und Bewegung mit Fragen und Impulsen, die zum Innehalten und Reflektieren anregen. Im 21-Tage-Journal wird daraus ein Prozess, der Schritt für Schritt ins eigene Erleben führt. Eine Seite, die sich dem „tiefen Zuhören“ widmet, ist sogar direkt von meinem Schweigeprojekt inspiriert.
Natürlich habe ich Marco trotzdem begleitet: Texte gegengelesen, Rückmeldungen gegeben, Ideen diskutiert. Der offizielle Erscheinungstermin ist am 11. September, und ich freue mich sehr, dass dieses Buch nun seinen Weg in die Welt findet.
Marco und ich haben uns beide auf den Weg gemacht – jeder für sich und doch verbunden. Gute Freundschaften müssen so etwas aushalten. Manchmal entstehen gerade daraus die schönsten Dinge, wenn man den anderen unterstützt, auch wenn das bedeutet, ein Jahr lang nicht miteinander zu sprechen.
Mehr Infos zu Mein Weg - Meine Reise findet ihr unter: LINK und www.helden-im-jetzt.de
