Tag 28 - Mein Türöffner

In den ersten Tagen in Ettlingen war ich fast ein wenig frustriert. Ich hatte das Gefühl, dass das Tiny Haus meinem Projekt etwas die Show stiehlt. Es kamen 20–40 Menschen am Tag vorbei – meist freundliche, interessierte Badener, die wissen wollten, was es mit dem Häuschen auf sich hat. Ob sie es sich mal anschauen dürften, ob es ein Werbestand sei, oder ob es irgendwie zum Kunstpfad gehöre.
Zwar gab es ein Schild, das erklärt, was es mit dem Tiny Haus und meinem Projekt auf sich hat – aber es stand zu weit entfernt, viele haben den Zusammenhang nicht erkannt. Und so standen sie dann vor jemandem, der keine ihrer Fragen beantwortet, da ich ja im Schweigen bin.
Das war gar nicht so einfach. Ich habe mich anfangs immer wieder zurückgezogen – aufs Bett, in den hinteren Teil des Hauses. Dort war ich nicht sofort sichtbar, und so gingen einige vorbei, ohne dass ich mich schweigend erklären musste.
Dann begann ich, mein kleines Kärtchen zu verteilen:
„Ich bin für ein Jahr im Schweigen – aber ich höre dir gerne zu.“
Auf der Rückseite ein kurzer Text zum Projekt. Und der Satz:
„Zuhören – echtes, aufmerksames Zuhören – ist eines der größten Geschenke, die wir einander machen können.“
Nachdem das die Leute gelesen haben, wurde vieles leichter. Manche waren berührt, manche kamen wieder, manche brachten mir Essen vorbei. Wer wirklich interessiert war, bekam den Flyer mit mehr Infos – und ich merke, dass auch dieser funktioniert: Viele lesen ihn, geben ihn weiter oder kommen nach Tagen zurück.
Ich bin inzwischen dankbar für das Tiny Haus, das die Menschen anzieht – und das Kärtchen, das Türen öffnet.
Danke an Florine Glück für die schöne Gestaltung und an Bernd Müller für die wichtige Unterstützung beim Text.
