Tag 306 – Zu Gast bei Yoga Vidya: Wenn die Stille der eigenen Vergangenheit zuhört

Irgendwann habe ich den offiziellen Jakobsweg verlassen, um einen Abstecher zu einem Ort zu machen, der in meiner Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt hat. Von da an trennten sich meine Wege von Reinhold, und ich war zwei Tage allein unterwegs durch eine der schönsten Landschaften dieser ganzen Reise.
Mein Weg führte über einen Höhenrücken, parallel zu den Alpen. Immer wieder öffneten sich weite Blicke auf die Bergkette. In der Ferne lag Schloss Neuschwanstein in dieser fast unwirklich schönen Landschaft. Es tat gut, diese Tage für mich zu haben. Zeit zum Gehen, zum Nachdenken, zum Verdauen. Seit München hatte ich kaum noch Raum gehabt, all das zu verarbeiten, was geschehen war.

Auf meiner Reise durch Deutschland habe ich Orte meiner Kindheit besucht, Freunde aus verschiedenen Lebensabschnitten wiedergesehen, war in Klöstern, Kirchen, Museen, Kulturorten und spirituellen Zentren. Beim Schreiben dieses Blogs wird mir immer wieder bewusst, in wie viele unterschiedliche Welten ich auf dieser Reise eintauche. Und vielleicht war das schon immer ein Teil von mir: mich auf ganz verschiedene Lebenswirklichkeiten einzulassen und zu schauen, was sie mit mir machen.
Auch mein nächstes Ziel war ein solcher Ort. Eine Welt, die in den letzten zehn Jahren eine wichtige Bedeutung in meinem Leben bekommen hat. Vor allem durch Flavia. Ich verließ den Jakobsweg, um nach Maria Rain zu gehen, zum Yoga Vidya Ashram im Allgäu.
Yoga Vidya ist ein gemeinnütziger Verein und eine spirituelle Gemeinschaft, die in Deutschland mehrere Ashrams und Yogazentren betreibt. Der Ashram im Allgäu ist einer der kleineren Orte: ein Haus in Maria Rain, auf etwa 960 Metern Höhe, mit Blick auf die Alpen, Yogastunden, Meditation, Satsang, gemeinsamem Essen und Menschen, die dort für eine Zeit oder dauerhaft leben, arbeiten und praktizieren. Ein Ashram ist für mich kein Hotel im üblichen Sinn, sondern eher ein Ort, an dem Alltag, innere Praxis, Arbeit und Gemeinschaft ineinander übergehen. Vereinfacht könnte man sagen: eine Art Kloster, in dem Yoga, Meditation und gemeinschaftliches Leben im Mittelpunkt stehen.

Noch bevor ich dort ankam, spürte ich, dass dieser Ort nicht einfach eine weitere Station meines Projekts werden würde. Er war eher ein Resonanzraum. Ein Ort, an dem nicht nur die Gegenwart auf mich wartete, sondern auch vieles aus meiner eigenen Vergangenheit.
Von 2011 bis 2016 habe ich in Brasilien gelebt. Was als sechsmonatiges Stipendium in São Paulo begann, wurde zu einem fünfjährigen Aufenthalt, weil ich gleich zu Beginn Flavia begegnete. Nach einem Jahr in São Paulo verlegte ich meinen Lebensmittelpunkt zu ihr nach Rio de Janeiro, wo wir die nächsten vier Jahre gemeinsam lebten.
2016, direkt nach der Olympiade, kippte die Stimmung in Rio. Die Stadt hatte sich komplett verausgabt, die politische und wirtschaftliche Lage wurde immer unsicherer, bei mir brachen Jobs und Einnahmequellen weg, und auch auf den Straßen veränderte sich spürbar etwas. Ich habe selten erlebt, dass eine Gesellschaft so schnell in eine andere Stimmung geraten kann wie damals in Brasilien. Rückblickend gehörte diese Stimmung für mich zu einem größeren Umbruch, der zwei Jahre später in der Wahl Jair Bolsonaros sichtbar wurde.
Flavia reagierte damals schneller als ich. Sie brachte den Gedanken ins Spiel, Brasilien zu verlassen. Ich war innerlich noch gar nicht so weit, diese Möglichkeit überhaupt in Betracht zu ziehen. Dann kam die Zusage für ein sechsmonatiges Stipendium in Paris, auf das ich mich beworben hatte und zu dem ich Flavia mitnehmen konnte. Plötzlich öffnete sich ein Weg zurück nach Europa, ohne dass wir ihn zuvor aktiv gesucht hätten.
Ich wäre noch bis zum Start des Stipendiums in Brasilien geblieben. Flavia wollte so lange nicht mehr warten.
Doch die Zeit bis Paris mussten wir irgendwie überbrücken. Wir hatten kaum finanzielle Rücklagen, und es hätte wenig Sinn ergeben, irgendwo in Deutschland für ein paar Monate ein neues Leben aufzubauen, nur um es kurz darauf wieder abzubrechen. Flavia hatte im Jahr zuvor mit einer Ausbildung zur Yogalehrerin begonnen. Dadurch hatte sich vieles in ihrem Leben verändert. Sie wurde entspannter, klarer, verbundener.
Ich stand dem am Anfang eher skeptisch gegenüber. Yoga war für mich lange etwas Fremdes, vielleicht sogar etwas Esoterisches. Als Mensch mit einer christlich geprägten Kindheit und pietistischen Einflüssen war mir diese Welt zunächst nicht geheuer. Aber ich sah, wie gut es Flavia tat. Und irgendwann schaffte sie es sogar, mich in eine Yogastunde einer befreundeten Lehrerin mitzunehmen.
Fast allein unter Frauen fühlte ich mich dort nicht sofort zuhause. Aber es war auch bei weitem nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nach und nach legte ich meine Ablehnung ab und fand sogar Freude daran.
Als Flavia dann vorschlug, die Zeit in Deutschland zum Teil in einem Yoga Ashram zu verbringen und dort gegen Kost und Logis mitzuarbeiten, waren in mir trotzdem noch Widerstände da. Ich wollte nicht zu tief in eine Welt eintauchen, die mir immer noch fremd war. Gleichzeitig konnte ich es als Abenteuer sehen. Als Möglichkeit, etwas kennenzulernen, das ich bisher nur aus der Distanz betrachtet hatte.
Da ich selbst schon seit vielen Jahren in der Meditation verwurzelt war, begann ich mit der Zeit zu verstehen, dass Yoga nicht nur aus Körperübungen besteht. Dass es im Kern sehr viel mit Meditation, Konzentration und innerer Ausrichtung zu tun hat. So öffnete sich diese Tür immer weiter, bis wir Ende 2016 und Anfang 2017 etwas mehr als zweieinhalb Monate bei Yoga Vidya im Allgäu verbrachten.
Danach planten wir, noch zwei weitere Monate in Indien zu verbringen, wo wir inklusive Flüge günstiger leben konnten als in Deutschland. So fügte sich alles zu einem Gesamtpaket, das sich plötzlich sehr stimmig anfühlte.
Diese Zeit, sowohl im Ashram im Allgäu als auch später in Indien, war für uns beide sehr prägend.
Und so war meine Rückkehr nach Maria Rain auch eine Reise zurück in die Anfänge unseres Lebens in Europa. Fast zehn Jahre ist es nun her, dass wir Brasilien verlassen haben. Der Ashram steht für mich für diese Übergangszeit: für Unsicherheit, Neuorientierung, für das Suchen nach einem neuen Boden unter den Füßen und für die Frage, wohin unser gemeinsamer Weg führen könnte.
Da ich inzwischen seit zehn Monaten von zuhause weg war, waren diese Erinnerungen besonders stark mit Flavia verbunden. Sie war damals die Impulsgeberin gewesen. Sie hatte vieles maßgeblich vorangetrieben, während ich oft noch zögerte und innerlich erst nach und nach begriff, dass dieser Aufbruch gut für uns war.
Lange wusste ich nicht, ob ich überhaupt hierher zurückkehren sollte. Der Ort lag zwar auf meiner möglichen Wegstrecke, aber nicht als festes Ziel. Als ich kurz vor München war, schaute ich nach, wer von damals überhaupt noch dort lebt. Ich fand heraus, dass nur noch drei Yogis aus unserer Zeit vor Ort waren. Aber alle drei waren Menschen, mit denen ich mich damals besonders verbunden gefühlt hatte, und zwei von ihnen gehörten inzwischen zur Ashramleitung.
Als dann von Gopala, dem stellvertretenden Ashramleiter, gleich eine herzliche Einladung kam, wusste ich: Mein Weg führt über Maria Rain.
Nach einem langen Wandertag mit viel Asphalt kam ich müde und zugleich voller Vorfreude im Ashram an. Auf den letzten Kilometern sah ich all die Berge, auf die ich damals in den freien Stunden gestiegen war. Nach fünf Jahren in Brasilien war dort, im Allgäu, beim Anblick der Berge eine fast verschwunden geglaubte Sehnsucht wieder in mir erwacht. Ich nutzte damals fast jeden freien Tag, um irgendwo hinaufzusteigen.
Flavia, für die es der erste Winter in Deutschland war, musste anfangs viele dieser Touren mitmachen. Es dauerte einige Wochen, bis wir beide verstanden hatten, dass sie die Landschaft zwar wunderschön fand, aber nicht jeden Berg mit mir erklimmen musste, um hier anzukommen. Danach ging ich manche Tour allein oder mit anderen Menschen aus dem Ashram.
Als mir diese Erinnerungen wieder in den Sinn kamen, musste ich über mich selbst schmunzeln. Über meine damalige Erwartung, dass Flavia Deutschland und den Winter so kennenlernen sollte, wie ich ihn besonders liebte: am besten draußen, den Elementen ausgesetzt, irgendwo auf dem Weg nach oben. Für eine Großstadtbrasilianerin, die eher am Strand als in den Bergen zuhause war, muss das stellenweise eine ziemliche Überforderung gewesen sein. Es dauerte, bis wir ein Maß fanden, in dem auch sie sich im deutschen Winter wohlfühlen konnte.
Wie durch einen Zufall kam ich genau während der Tage der Stille im Ashram an. Im ganzen Haus lag Schweigen. Einen passenderen Zeitpunkt hätte ich mir kaum aussuchen können.
An der Rezeption fand ich meinen Zimmerschlüssel. Zunächst begegnete mir niemand. Und alle, denen ich später begegnete, waren im Schweigen. Auch das Abendessen fand in Stille statt. Es war ein eigenartiges Gefühl. Einerseits war ich genau am richtigen Ort, weil ich mit meinem Schweigen überhaupt nicht auffiel. Andererseits hatte ich mir gerade hier Begegnung und Austausch gewünscht.
So blieb mir erst einmal nur, da zu sein. Zu schauen. Zu spüren, welche Erinnerungen in mir aufstiegen.
Ich merkte schnell: Weil draußen alles still war, begann in mir vieles zu sprechen.
Am Abend nahm ich am Satsang teil, der gemeinsamen Meditation, bei der im Anschluss Kirtans gesungen werden und meistens ein Text vorgelesen wird. An diesem Abend wurde der Satsang von Jagadīshvarī geleitet, die ich noch als Gabi kannte und die inzwischen die Leitung des Ashrams im Allgäu übernommen hatte.
Das Thema des Abends war Stille und Schweigen. Und dann las sie auch noch einen Text von Mutter Teresa über die Stille vor.
Mich hat das tief berührt. Nicht nur, weil ich selbst seit über zehn Monaten im Schweigen unterwegs bin. Sondern auch, weil mir in diesem Moment wieder bewusst wurde, dass Stille keiner einzelnen Tradition gehört.
Sie kann religiös sein, muss es aber nicht. Sie kann Gebet sein, Meditation, Kontemplation, Lauschen oder einfach ein Innehalten. Menschen mit ganz unterschiedlichen spirituellen Hintergründen können in ihr etwas finden. Und auch Menschen, die sich keiner Religion verbunden fühlen, können erfahren, wie heilsam es sein kann, wenn es einmal still wird.
Vielleicht ist Stille einer der wenigen Räume, in denen sich unterschiedliche Wege nicht erklären oder rechtfertigen müssen. Sie müssen nicht gleich werden, um sich berühren zu können. Jeder Mensch kann auf seine Weise in diese Stille eintreten.
In diesem Moment musste ich wieder an die Worte von Bruder Olav denken, der mir zu Beginn meiner Reise sagte, ich sei nun in der Muttersprache Gottes unterwegs: der Stille.
Damals haben mich diese Worte sehr berührt. Heute verstehe ich sie vielleicht noch etwas weiter. Nicht als Satz, der nur für einen bestimmten Glauben gilt, sondern als Bild für einen Raum, der tiefer liegt als unsere Begriffe. Manche suchen in der Stille Gott. Andere Gegenwart. Andere Verbundenheit. Andere vielleicht gar nichts. Und trotzdem kann es sein, dass wir in der Stille etwas berühren, das größer ist als wir selbst.
Gerade an einem Ort wie Yoga Vidya, der stark von indischen und fernöstlichen Traditionen geprägt ist, fand ich es schön, dass an diesem Abend ein Text von Mutter Teresa gelesen wurde. Nicht als Vermischung von allem mit allem, sondern als Zeichen dafür, dass Menschen sich von unterschiedlichen Wegen inspirieren lassen können, ohne ihre eigene Praxis aufgeben zu müssen.
Als danach die Kirtans begannen, kamen mir die Sanskrittexte sofort wieder in den Sinn. Obwohl ich so lange nicht mehr dort gewesen war, war vieles noch vertraut. Und wieder spürte ich, wie viel Verbindung Singen schaffen kann.
In meiner Erinnerung saß plötzlich Flavia neben mir. Sie war damals viel tiefer als ich in das Kirtansingen eingetaucht. Sie hatte sich dort verbunden gefühlt, getragen, lebendig. Nun sah ich sie innerlich neben mir sitzen, mit ihrem Lächeln auf den Lippen, und die Lieder mitsingen, die wir damals so oft gemeinsam gesungen hatten.
Mir kamen die Tränen, weil sie nicht wirklich bei mir war, sondern nur in meiner Vorstellung. Wie gerne hätte ich diesen Moment mit ihr geteilt. Wie gerne hätte ich ihr Leuchten in den Augen gesehen, wenn auch bei ihr die alten Erinnerungen wieder wach geworden wären und sie in diese Musik eingetaucht wäre, die sie so liebte.
In diesem Augenblick fragte ich mich, warum wir so viele Jahre nicht mehr an diesen Ort zurückgekommen sind.
Nach dem Satsang begrüßte ich Gabi. Sie wusste noch nichts von meinem Kommen. Es berührte mich sehr, dass sie sofort wusste, wen sie vor sich hatte. Nach fast zehn Jahren. Nach so vielen Menschen, die in dieser Zeit im Ashram gewesen sein mussten.
Es war ein sehr freudiges Wiedersehen. Ich schrieb ihr auf mein Tablet, dass ich gar nicht gewusst hatte, wie sehr ich diesen Ort vermisst habe, bis ich nun wieder hier war.

Am nächsten Morgen nahm ich an der Yogastunde teil. Auch hier wartete die nächste ungeplante Überraschung auf mich: Die Stunde wurde von Gopala geleitet, der mir den Aufenthalt ermöglicht hatte und dem ich bis dahin noch nicht begegnet war. Auch unsere Begrüßung war herzlich und vertraut. Fast so, als hätten wir uns erst gestern zuletzt gesehen.
Ich habe in den letzten dreizehn Jahren viel Yoga praktiziert, vor allem, weil ich zuhause in Stuttgart regelmäßig in Flavias Studio bei einer wunderbaren Lehrerin mitüben darf, wann immer ein Platz frei ist. Allerdings unterrichtet Flavia einen sehr sanften Yogastil im Vergleich zu Yoga Vidya. Und seit ich unterwegs bin, habe ich außer ein paar Dehnübungen am Abend kaum Yoga praktiziert. Die Mittelstufenstunde bei Gopala wurde deshalb zu einer echten Herausforderung.
Durch das viele Wandern waren meine Sehnen verkürzt, mein Körper hatte an Beweglichkeit verloren. Mein herabschauender Hund sah vermutlich aus, als hätte ich noch nie Yoga gemacht. Für manche Haltungen fehlte mir schlicht die Kraft, sodass ich sie früher verlassen musste, als Gopala sie angeleitet hatte.
Dabei bemerkte ich wieder ein altes Muster in mir. Etwas, von dem ich längst weiß, dass es mit Yoga eigentlich nichts zu tun hat, das ich aber trotzdem nie ganz ablegen konnte: Ich vergleiche mich.
Wie machen die anderen die Asanas? Können sie das besser als ich? Sehe ich unbeholfen aus? Blamiere ich mich gerade?
Natürlich spielt all das keine Rolle. Im Yoga geht es nicht darum, besser zu sein als andere. Es geht darum, bei sich zu bleiben. Zu spüren, was heute möglich ist. Wie tief man in eine Übung hineingehen kann. Wo eine Grenze liegt. Und ob es vielleicht gut ist, diese Grenze zu respektieren, statt sie ständig zu überschreiten.
Das weiß ich alles. Aber Wissen ist nicht dasselbe wie verkörperte Erfahrung.
In dieser Stunde bemerkte ich etwas Neues.
Gopala bot zwischen den Übungen immer wieder Variationen an. Von einfachen Haltungen bis zu sehr fortgeschrittenen Asanas, die ich noch nie in meinem Leben praktiziert habe. Früher hätte mich das innerlich beschäftigt. Ich hätte gemerkt, was ich alles nicht kann. Vielleicht hätte ich mich angestrengt, um wenigstens mitzuhalten.
Diesmal interessierte es mich erstaunlich wenig.
Selbst die Übungen, die mir eigentlich vertraut waren und die mir durch die lange Pause plötzlich schwerfielen, konnte ich einfach hinnehmen. Zum ersten Mal, seit ich Yoga praktiziere, hatte ich das Gefühl, mich nicht vergleichen zu müssen. Ich konnte in mich hineinlauschen und fragen: Was tut mir heute gut? Was ist heute möglich? Wo ist genug?
Und als ich mich zwischendurch ausruhen musste und die anderen im Raum in ihren Asanas sah, nahm ich sie nicht vergleichend wahr, sondern fast bewundernd. Manche lagen oder standen mit einer solchen Ruhe und Eleganz in ihren Haltungen, dass ich mich einfach für sie freute. Für ihre Praxis. Für die Schönheit dieses Moments.
Als ich bemerkte, dass ich schon wieder nicht ganz bei mir war, sondern mich nun für die anderen freute, musste ich über mich selbst lächeln. Es war eine schöne Veränderung, keine Frage. Aber auch das war letztlich wieder ein Weg nach außen. Und Yoga lädt mich immer wieder ein, zurückzukehren. Zu mir. Zu meinem Atem. Zu diesem Körper. Zu diesem Moment.
Beim Mittagessen saß ich dann mit Gopala zusammen. Die Schweigetage waren am Morgen zu Ende gegangen, sodass er sich problemlos mit mir unterhalten konnte. Es war eine schöne Begegnung.
Ich erinnerte mich daran, wie er damals, kurz vor mir, in den Ashram gekommen war. Entkräftet, suchend, mit dem Leben hadernd. Nun hatte er zehn Jahre dort verbracht, eine intensive Praxis entwickelt und strahlte eine ganz andere Energie aus. Offen, lebensbejahend, zugewandt. Es hat mich sehr gefreut, das zu sehen.
Ich bot an, auch den anderen Sevakas, wie die Mitarbeitenden im Ashram genannt werden, zuzuhören, falls jemand mir im Rahmen meines Projekts etwas erzählen möchte. Gopala wollte es in die Hausgruppe geben. Gemeldet hat sich danach niemand, was mir ehrlicherweise nicht ganz unrecht war.
Es gab so viele Eindrücke, Erinnerungen und Gedanken, die in mir nachwirkten. Ich war froh um den Raum, an diesem Ort anzukommen, die gemeinsame Vergangenheit mit Flavia aufsteigen zu lassen und nicht nur anderen zuzuhören, sondern auch dem, was in mir selbst leise wurde.
So wurde aus meinem Besuch bei Yoga Vidya keine richtige Zuhörstation, wie ich es kurz angedacht hatte. Und doch war er auf seine Weise sehr stimmig.
Vielleicht musste ich an diesem Ort gar nicht in erster Linie anderen zuhören. Vielleicht war ich hier, um meiner eigenen Vergangenheit zuzuhören.
Ich bin unglaublich dankbar, diese zwei Tage an diesem besonderen Ort verbracht zu haben. Dankbar für die Stille, die Erinnerungen, das gute Essen, die herzlichen Wiedersehen und die Möglichkeit, für einen Moment in eine Welt zurückzukehren, die mich und uns damals sehr geprägt hat.
Ein herzliches Dankeschön an den Ashram im Allgäu, besonders an Gopala und Jagadīshvarī. Ich habe die Ruhe und die Stille bei euch sehr genossen.