Tag 52 - Mehr Urlaub als entbehrungsreiches Schweigen

Ich habe mich innerlich auf eine sehr entbehrungsreiche Reise eingestellt und werde nun überrascht, dass dem so nicht sein muss. Die Tage mit Flavia an den Seen haben mich auf den Geschmack gebracht. Dass ich von Ettlingen aus auf der linken Rheinseite Richtung Norden wanderte, verdanke ich einer Einladung von Bianca – sonst hätte ich diese Route durch die Rheinebene wohl nie gewählt. Eigentlich hatte ich geplant, direkt in den Pfälzer Wald zu gehen und mich dort bei dieser Hitze mit schwerem Gepäck über die Berge zu schleppen. Zum Glück kam es anders.
Die Rheinebene hat mich überrascht. Täglich kam ich an mehreren Badeseen vorbei und konnte mich mindestens ein- bis zweimal am Tag nach den Strapazen im Wasser abkühlen. An einem besonders einsamen See fand ich sogar ein kleines Paradies, an dem ich am Abend ungestört mein Zelt aufschlagen konnte. Mehr Urlaubsfeeling hätte ich mir kaum erträumen können.
Dazu kommen Einladungen wie die mit Bianca, die alles aufgetischt hat, was sie konnte, sodass ich mich nach einem langen Wandertag wie ein König fühlte. Herzlichen Dank dafür Bianca! Aber auch unterwegs wurde ich von der Natur verwöhnt: am Wegesrand wachsen Sträucher voller Brombeeren, auf vernachlässigten Streuobstwiesen reifen die ersten zuckersüßen Äpfel, und Mirabellen werden zum Nachtisch gereicht.
Auch wenn die Sonne oft brennt, lässt es sich wunderbar leben. Im Schatten der Bäume sind die Temperaturen gut auszuhalten. Nur wenn der Weg über Asphalt führt und sich zwischen aufgeheizten Häuserzeilen entlangzieht, sehne ich mich zum nächsten Waldstück oder Baggersee. Ich weiß, dass dieser Sommer nicht ewig dauern wird – vielleicht genieße ich ihn gerade deshalb umso mehr.

