Tage 198–202 – Zu Gast bei Erik – Der Mann hinter den Bildern

Während meiner Station in Berlin durfte ich bei Erik unterkommen. Erik ist weit mehr als nur ein Gastgeber oder Kollege; er ist Kameramann und war bei einigen meiner wichtigsten Projekte derjenige, der mit mir unterwegs war und die Bilder gefunden hat. Uns verbindet inzwischen eine über fünfzehnjährige, sehr tiefe Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit.
Kennengelernt haben wir uns durch eine Empfehlung meiner Cutterin Alex für das Projekt Sand am Meer. Damals begleitete mich Erik zwei Wochen lang mit der Kamera durch die Sahara. Ich lief mit einem Surfbrett unter dem Arm über den wohl größten „Strand“ der Welt – immer auf der Suche nach dem Meer. In dieser Zeit entstand ein bildgewaltiger, entschleunigender Film, der diesen absurden wie poetischen Weg dokumentiert.

Auch bei einer späteren Reise war Erik mit dabei: auf einem Segelboot, das mit Rädern ausgestattet war und mit dem wir durch Patagonien unterwegs waren. Wieder war er es, der diese Reise dokumentierte – und wieder teilten wir nicht nur Arbeitstage, sondern all das, was entsteht, wenn man lange Zeit gemeinsam unter herausfordernden Bedingungen unterwegs ist: improvisieren, scheitern, lachen, weitermachen. Diese Erfahrungen haben eine Freundschaft entstehen lassen, die weit über ein professionelles Arbeitsverhältnis hinausgeht und bis heute trägt.

Was mich dabei immer wieder berührt, ist der Idealismus, mit dem Erik – wie auch einige andere Weggefährten – meine Projekte unterstützt. Kaum eines meiner Vorhaben hätte den Mitwirkenden auch nur annähernd die Gagen ermöglichen können, die sie in klassischen Dokumentarfilmprojekten verdienen würden. Erik arbeitet auch in der Werbebranche und verdient dort an einem Tag vermutlich so viel wie bei mir in mehreren Wochen Patagonien. Und doch lässt er sich immer wieder auf meine Projekte ein.
Ich glaube, das hat mehrere Gründe: die inhaltliche Nähe, die gegenseitige Wertschätzung der Arbeit, die große Freiheit, die ich allen Beteiligten gebe – und nicht zuletzt das freundschaftliche Vertrauen und der Zusammenhalt, der über die Jahre durch diese gemeinsamen Reisen entstanden ist. Ohne diese Unterstützung von Freunden und Kolleg:innen wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Sie haben mir immer wieder Mut gemacht und mir ein ehrliches Feedback gegeben, das mich ermutigt hat weiterzugehen – trotz aller Schwierigkeiten.
Umso schöner war es für mich, nun während dieses großen Projekts bei Erik und seiner Familie unterzukommen. Zeit zum Ankommen zu haben. Zeit zum Zuhören. Und diese besondere Verbundenheit, die uns über all die Jahre getragen hat, wieder ganz bewusst zu spüren – und lebendig zu halten.
Es blieb übrigens nicht nur bei der Unterkunft: Jani, Eriks Frau, versucht gerade, ihr Münchner Netzwerk für mich zu aktivieren, und Erik macht einige schöne Bilder in der Kapelle der Versöhnung für mich. Wieder zeigt sich dieses Netz aus Unterstützung und Freundschaft, ohne das auch dieses Jahr im Schweigen nicht möglich wäre.