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Herzlichen Dank an die Teilnehmenden für diesen wunderschönen Tag in Stille und in der Natur!!

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Herzlichen Dank an die Teilnehmenden für diesen wunderschönen Tag in Stille und in der Natur!!
Mir wird oft die Frage gestellt, ob ich nicht wie ein Mülleimer mit all den schwierigen und belastenden Dingen vollgestopft werde, die man sich vielleicht lieber nicht anhören möchte. Ja, es gibt viele schwierige Dinge, die ich höre.
Manche sprechen über Krankheit, Depressionen, über Verlust. Ein Mann, unheilbar an Krebs erkrankt, erzählte mir, dass seine Mutter wohl bald den zweiten Sohn überleben wird, da sie schon den ersten an Krebs verloren hatte. Andere sind auf der Suche nach Sinn und wissen nicht, wie sie ihr Leben weiter gestalten sollen. Ich hörte auch die Geschichten einiger Obdachloser, die mir von ihrem Leben auf der Straße berichteten, zum Teil auch, was ihnen widerfahren war und wie sie dorthin gelangt waren.
Aber ich bekomme nicht nur solche Geschichten zu hören! Wer ein guter Zuhörer ist, dem erzählt man auch gerne, was einem alles Gutes widerfahren ist. Auch die Menschen, denen es gut geht, freuen sich, wenn sie durch ein Lächeln oder tiefe Mitfreude bezeugt bekommen, wie es ihnen gerade geht. Musiker und Dichter spüren ebenfalls, wenn ihnen jemand wirklich zuhört. Das beeinflusst, wie sie spielen oder mir etwas vortragen.
Letztlich würde ich sagen, dass es sich die Waage hält. Das Schwierige wechselt sich mit dem Schönen ab. Denn wer bereit ist, wirklich zuzuhören – ganz gleich, worum es geht –, kann die Seele eines Menschen tief berühren. Und das erfüllt nicht nur sie, sondern auch mich!
Danke an Fried-Jürgen Bachl für das kleine Konzert!

Fast täglich bekomme ich inzwischen Essen von irgendwelchen Leuten vorbeigebracht: Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Mangold oder anderes Gemüse aus dem Garten, selbst gebackenes Brot, Studentenfutter, Kuchen, Obstsalat – und sogar ein Butterbrot.
Bei den meisten ist es ein kleines Dankeschön fürs Zuhören. Aber manche der Leute waren nie da, um mir etwas zu erzählen. Deshalb nehme ich an, dass es einfach eine Form der Anerkennung ist für das, was ich hier tue – und dass man das so ausdrückt.
In jedem Fall freue ich mich sehr darüber und bin dankbar, wie offen und herzlich mich die Ettlinger hier aufgenommen haben!


Im Wald hinter meinem Tiny Haus lebte vor rund 200 Jahren ein Eremit, der bis zu seinem Tod im Alter von 96 Jahren ganze 26 Jahre im Schweigen verbracht haben soll. Eine wunderbare Verbindung zu meinem Projekt.
Heute bin ich um 4 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Also machte ich mich auf den Weg zu seiner ehemaligen Klause, gut drei Kilometer bergauf – von ihr sind nur noch Reste im Wald zu finden. Bei Sonnenaufgang meditierte ich dort im Steinkreis.
Etwa eine halbe Stunde saß ich schon, als sich eine Herde Wildschweine näherte – 8 bis 10 ausgewachsene Tiere, begleitet von rund 20 Frischlingen. Eines kam bis auf zehn Meter an mich heran, bevor es die anderen warnte und die ganze Horde lautlos im Wald verschwand.
Und doch: Ich fühlte mich sicher. Als könnte mir an diesem besonderen Ort nichts geschehen.
Schön, wem oder was man begegnet, wenn man zur frühen Stunde die Geistern des Waldes sucht.


In den ersten Tagen in Ettlingen war ich fast ein wenig frustriert. Ich hatte das Gefühl, dass das Tiny Haus meinem Projekt etwas die Show stiehlt. Es kamen 20–40 Menschen am Tag vorbei – meist freundliche, interessierte Badener, die wissen wollten, was es mit dem Häuschen auf sich hat. Ob sie es sich mal anschauen dürften, ob es ein Werbestand sei, oder ob es irgendwie zum Kunstpfad gehöre.
Zwar gab es ein Schild, das erklärt, was es mit dem Tiny Haus und meinem Projekt auf sich hat – aber es stand zu weit entfernt, viele haben den Zusammenhang nicht erkannt. Und so standen sie dann vor jemandem, der keine ihrer Fragen beantwortet, da ich ja im Schweigen bin.
Das war gar nicht so einfach. Ich habe mich anfangs immer wieder zurückgezogen – aufs Bett, in den hinteren Teil des Hauses. Dort war ich nicht sofort sichtbar, und so gingen einige vorbei, ohne dass ich mich schweigend erklären musste.
Dann begann ich, mein kleines Kärtchen zu verteilen:
„Ich bin für ein Jahr im Schweigen – aber ich höre dir gerne zu.“
Auf der Rückseite ein kurzer Text zum Projekt. Und der Satz:
„Zuhören – echtes, aufmerksames Zuhören – ist eines der größten Geschenke, die wir einander machen können.“
Nachdem das die Leute gelesen haben, wurde vieles leichter. Manche waren berührt, manche kamen wieder, manche brachten mir Essen vorbei. Wer wirklich interessiert war, bekam den Flyer mit mehr Infos – und ich merke, dass auch dieser funktioniert: Viele lesen ihn, geben ihn weiter oder kommen nach Tagen zurück.
Ich bin inzwischen dankbar für das Tiny Haus, das die Menschen anzieht – und das Kärtchen, das Türen öffnet.
Danke an Florine Glück für die schöne Gestaltung und an Bernd Müller für die wichtige Unterstützung beim Text.


Heute Morgen in SWR3:
https://www.kirche-im-swr.de/beitraege/?id=42522
Auf diesen kleinen Beitrag haben sich gleich mehrere Menschen bei mir gemeldet und mir für meinen Weg durch Deutschland eine Unterkunft angeboten.

Interview lesen unter: BNN.DE

Gülsel, eine Dokumentarfilmerin, die auf mich und mein Tiny House im Horbachpark aufmerksam geworden ist, besucht mich seither immer wieder – oft mit selbstgemachten Leckereien im Gepäck.
An diesem Abend bot sie mir an, mich zum Epplesee mitzunehmen, ein paar Kilometer außerhalb von Ettlingen.
Eine ruhige, kraftspendende Begegnung an einem wunderschönen Ort.
