Glück?

Vom 2. Juli bis 30. Juli durfte ich nun in Ettlingen leben. Dass mir dieses wunderschöne Tiny House kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, erscheint mir noch immer wie ein kleines Wunder.
Ich hatte zuvor intensiv recherchiert, viele Mails geschrieben und telefoniert. Mein Wunsch war es, mitten im Park zu wohnen, an einem Ort, an dem sich Menschen wohlfühlen und ich gut zuhören kann. Doch die meisten Lösungen waren unbezahlbar, unpraktisch oder blieben unbeantwortet. Ohne große Hoffnung rief ich schließlich Kay an, der früher Tiny Houses in der Nähe von Rastatt produziert hatte. Obwohl er seinen Betrieb bereits aufgegeben hatte, besaßen seine Eltern noch ein Tiny House, das sie wegen fehlender Baugenehmigung vor Kurzem abbauen mussten. Es stand ungenutzt auf ihrem Hof – und sie waren sofort bereit, es mir für mein Projekt zu überlassen.
Kay half nicht nur bei der Vermittlung, sondern unterstützte mich mehrere Tage ehrenamtlich beim Aufbau und der Materialbeschaffung und dann auch wieder beim Rückbau. War es Glück, dass der Wagen genau jetzt wegen fehlender Baugenehmigung zur Verfügung stand? Oder Fügung? Vielleicht ist es beides – aber meist ergibt sich so etwas nur, wenn man sich auf den Weg macht, Menschen begeistert und bereit ist zu scheitern. Glück kommt selten von allein, manchmal muss man es herausfordern.
Dass ich dieses Glück – ein Tiny House an einem der schönsten Orte Ettlingens, direkt an einem Bach am Fuße des Schwarzwalds – so intensiv genießen konnte, liegt auch daran, dass ich weiß: Es ist nur für kurze Zeit. Bald werde ich wieder alles auf das Nötigste reduzieren, im Rucksack verstauen und auf diesen Komfort verzichten.
Ich habe zwar viele Übernachtungsangebote erhalten, auch Gutscheine für Hotels oder warme Winterwanderstiefel – dafür bin ich sehr dankbar. Doch reichen mein Budget und die Unterstützung nicht, um mir regelmäßig Unterkünfte zu leisten. Ich versuche, dem mit Gelassenheit zu begegnen. Mal gelingt mir das besser, mal schlechter. Aber ich glaube, dass sich Glück oft dort zeigt, wo man es am wenigsten erwartet – nach einer kalten Nacht, im Regen, nach einer entmutigenden Etappe. Vielleicht ist es nie planbar, nie greifbar. Aber wenn man sich auf den Weg macht, kann es einem manchmal ganz unverhofft begegnen. Ich werde hoffentlich noch ein paar Mal davon berichten.

